| Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde aktueller Kunst, gerne möchten wir Sie zu unserer nächsten Ausstellung einladen. In unseren Räumen in der Zwickauer Hauptstraße 34-36 (Kunsthaus) zeigen wir zunächst eine Sammlung hochkarätiger Karikaturen und Humorzeichnungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine thematisch derartige Ausstellung war in Zwickau bislang nicht zu sehen. Natürlich sind neben den unbekannteren Künstlern auch die prominenten Zeichner zu sehen: Paul Simmel, Ferdinand Barlog, Walter Trier, Olaf Gulbransson, Thomas Theodor Heine, Eduard Thöny , Josef Mauder, Erich Wilke, Oskar Zwintscher, Fritz Koch Gotha ... Mit dieser besonderen Ausstellung eröffnen wir unser künftiges Ausstellungsprogramm, das sich jungen und etablierten Künstlern widmet, die im überregionalen und internationalen Ausstellungsbetrieb arbeiten. Mit der Karikaturenausstellung beteiligen wir uns an der diesjährigen Kunst- und Kulturmeile (15. 8., ab 12 Uhr) sowie am Stadtfest (22. und 23.8, jeweils ab 12 Uhr).
Im September zeigen wir das Porträt einer der jungen und wichtigen Galerien in Berlin: Stedefreund.
Ausstellung: "Treffsicher" – Karikaturen und Humorzeichnungen Ort: Freunde Aktueller Kunst, Zwickau - Hauptstraße 34-36 (Kunsthaus) Zeit: ab 15.8. 2009 Über Ihren Besuch würden wir uns freuen, bis alsbald beste Sommergrüße Klaus Fischer
Zur Ausstellung: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Diese altbewährte und fundamentale Einsicht zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung in den Räumen des Kunstvereins Freunde Aktueller Kunst. Mit von der Partie ist auch der aus Plauen stammende Erich Ohser (1903-1944), der unter dem Pseudonym e.o.plauen mit seinen Vater und Sohn-Geschichten noch immer Welterfolge feiert. Doch Humor und Talent für das karikierende Zeichnen teilte er mit vielen Künstlern seiner Zeit. Bei aller Konstanz haben die beiden künstlerischen Gattungen (Humorzeichnung und Karikatur) eine durchaus wechselvolle, häufig gemeinsame Geschichte aufzuweisen. Eingedenk aller Varianten und Übergangsformen zwischen den beiden Bereichen selbst, gehören diese sowohl der "angewandten", aber ganz fraglos auch der bildenden Kunst an. Doch muß man diese Zuschreibung bis auf den heutigen Tag noch immer wieder neu behaupten und beweisen. Seinerzeit wurde für die unüberschaubare Zahl der Tageszeitungen, der wöchentlichen und monatlichen Zeitschriften, der Magazine und Broschüren deutlich mehr gezeichnet bzw. illustriert als heute, die Photographie hatte noch lange nicht den Stellenwert, den sie im Blätterwald unserer Tage einnimmt. Das Spektrum der Ausstellung ist deshalb sehr breit und natürlich abhängig vom spannungsgeladenen Verlauf der Jahrzehnte, außerdem werden die sehr unterschiedlichen ästhetische Moden und individuellen künstlerischen Auffassungen vom Sinn und Zweck des Zeichnens in der Zeit von 1900 bis ungefähr 1950 berücksichtigt. Die wechselvolle deutsche Geschichte spiegelt sich unmittelbar in den ausgewählten Zeichnungen: die wilhelminische Kaiserzeit, 1. Weltkrieg, die Weimarer Republik, das Dritte Reich und wieder Krieg. In jedem Fall hatte die Humorzeichnung neben dem eigentlichen Unterhaltungswert und der Aufgabe, die eigene Zeit direkt oder indirekt zu kommentieren, immer auch eine Ventilfunktion, um die krisenhaften Zeitläufte des frühen 20. Jahrhunderts für alle damals Beteiligten erträglicher und (mit)menschlicher zu gestalten. Anhand einer Auswahl von ca. 70 Zeichnungen wird ein lockerer Überblick über das gesellschaftliche und kulturelle Leben der damaligen Zeiten gegeben. Politik war vielen Humorzeichnungen nicht fern, ebensowenig wie eine liebevolle, aber auch spöttische „Diagnose“ der verqueren Alltagssymptome quer durch alle gesellschaftlichen Schichten. Auf Sparflamme gesetzt war die offene Gesellschaftskritik, statt dessen beschäftigte mansich mit den Allüren der feinen Gesellschaft, dem "uneindeutigen" Verhältnis von Herrschaft-Dienerschaft, amourösen Verwicklungen, Kindern und Alten, den diversen Außenseitern der Gesellschaft (Landstreicher, Betrunkene, der Kauz), Rollenklischees werden bedient wie z.B. starke Frau und schwacher Mann, der Beamte und seine Uniform, man geht zum Sport, auf Reisen oder bleibt im Vorgarten zurück, Exotik ist ein Thema (Afrika, der "Neger"), Tiere verfremden menschliche Verhaltensweisen, Redewendungen werden wörtlich genommen, ein Wortwitz illustriert ... Und dann gibt es noch die Vereinnahmung und Funktionalisierung der Humorzeichnung durch den Staat, mithin die Propagandadienstleistung des eigentlich unpolitischen Humors ... Deutlich wird in dieser Ausstellung zudem, wie zeitlos der Humor, der Witz, die Pointe funktionieren, sobald das Menschliche – Allzu-Menschliche zum Gegenstand der spitzen Feder erhoben wird. Gleichwohl erkennt man aus heutiger Sicht, daß die Zeichnungen aus einer mittlerweile „entrückten“ Zeit stammen. Sie bleiben dennoch ganz hervorragende Dokumente, um auf amüsante und doch sehr ernsthafte Art und Weise vor Augen zu führen, worüber 'anno dunnemals' nachgedacht und gelacht wurde. Übrigens gab es auf der Ebene der Humorzeichnung kaum Brüche zum Nachkriegsdeutschland hüben wie drüben, Humor anders in Szene zu setzen gab es erst später. Viele der gezeigten Blätter sind Original-Vorlagen für die damals bekanntesten Illustrierten und Humor- bzw. Karikaturzeitschriften (Simplicissimus, Fliegende Blätter, Lustige Blätter) geschaffen von den bedeutendsten Zeichnern und Illustratoren der Zeit, wie Paul Simmel, Ferdinand Barlog, Walter Trier, Olaf Gulbransson, Thomas Theodor Heine, Otto Roeseler, Josef Mauder, Erich Wilke, Oskar Zwintscher, Fritz Koch Gotha, Erich Will-Halle. Allesamt stellen sie Raritäten dar, da die zeichnerischen Einfälle häufig nur kurz als Druckvorlagen existier(t)en und – für den Tagesgebrauch gedacht – nur selten einer privaten oder auch musealen Aufbewahrung würdig erachtet wurden. Die vielen Witzzeichnungen in den Illustrierten sind bis auf wenige Blätter gar nicht erhalten. Nicht selten stellt es einigen Aufwand dar, um (wenn überhaupt) sogar die Zeitungen aufzutreiben. Als ein kleines Highlight in dieser Ausstellung kann man die Zeichnungen von e.o.plauen alias Erich Ohser bezeichnen, dem neben Paul Simmel sicher erfolgreichsten Humorzeichner aus den dreißiger Jahren. Nicht nur, aber vor allem mit seinen "Vater und Sohn"-Bilderfolgen, die in einem Atemzug mit dem "Struwwelpeter" und "Max und Moritz" zu nennen sind, gehört Ohser noch heute zu den beliebtesten Künstlern aus dem kaum überschaubaren Bereich der Comics. | | |